Ich bin vor kurzem von Deutschland nach Paraguay gekommen. Als ich meine Wohnung auflöste, und es ans Bücherregal ging, habe ich mir vorgestellt, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde und es blieben vier Bücher übrig. Eines davon ist “Die Wichtelreise” von Denys Watkins-Pitchford.
Etwas muß an dem Buch drangewesen sein, daß ich es damals als kleines Kind nicht mehr bei der Gemeindebücherei abgegeben habe. Es war nicht nur ein Versehen oder Faulheit, nein, ich wollte es nicht mehr hergeben! Ich habe es einfach behalten. Jetzt bin ich 46 Jahre alt und besitze es immer noch. Ich schätze mal, daß die Straftat mittlerweile verjährt ist, wer weiß, ob es die Bücherei überhaupt noch gibt. Oder die Gemeinde, …oder das Land, den Kontinent?Damals war “Die Wichtelreise” das Buch für mich. Ich muß mit all meinen Fasern gespürt haben, daß es auf sehr viele Weisen mit mir zu tun hatte. Natürlich, – vordergründig war es ein spannendes Abenteuer-Gschichtel, in das man sich total vertiefen konnte:
Drei Wichtel leben in einer Baumwurzel am Bach. Zwei von ihnen machen sich auf den Weg, ihren lang verschollenen Kumpel zu suchen. Der älteste Wichtel, mit einem Holzbein, entscheidet sich, daheim zu bleiben. Große Abenteuer auf Leben und Tod haben die beiden Wichtel zu bestehen, mit wilden Tieren, gefährlichen Menschen und dunklen, unheimlichen Wäldern. Das Buch ist traurig, spannend und herzerwärmed. Und hat ein süßes Ende.
Das war die Handlung.
Aber!
Da war ja noch mehr! Waren es Ahnungen, ein unbewusstes Erinnern? War es ein Hingezogensein zu etwas, was mal meine Welt war? War es überhaupt nur eine Geschichte? War es nicht vielmehr wahr, was ich da las?
Lustig ist allerdings, daß ich weder an diese Dinge glaubte, noch durch meine Umgebung sensibilisiert wurde. Im Gegenteil, ich fand Zwerge schwachsinnig und doof und schwebende Elfen und Feen kitschig und hirngesponstig. Hirngespinstig. So etwas gab es nicht.
…und trotzdem muß eine Kraft, ein Band so groß gewesen sein, daß ich mich in das Buch verliebt hatte, denn obwohl ich die Wichtel beim Lesen innerlich ablehnte, wusste es ein (weiser) Teil von mir besser und schloss sie ins Herz.
Nun!
Wer mit seinen Kindern oder etwa selbst in eine spannende, alte Wichtelwelt eintauchen möchte, wer etwas über Sehnsucht nach Gemeinschaft, Verbundenheit lesen will, wer lesen will, daß man eigene Begrenzungen überwinden kann, um Herzenswünschen nachzugehen, Entscheidungen revidieren kann, wenn sie falsch waren, wer vielleicht sogar von den Wichteln lernen will – dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
Aber nicht vergessen: nach dem Ausleihen zurückgeben!
…oder vielleicht doch nicht?!?
P.S.: Leider gibt es das Buch momentan nur antiquarisch zu kaufen. Ist aber zum Beispiel im Netz immer wieder zu finden: Denys Watkins-Pitchford, “Die Wichtelreise”, gebraucht bei Amazon.







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